09.07.2015, 10:31 Uhr

Anmerkungen zur Weidefütterung

Ich selbst habe mich in Kentucky (USA) auf den großen Vollblutgestüten davon überzeugen können, dass die Grünflächen bevor die Pferde auf die Weiden gekommen, ständig kurz gemäht wurden. Hintergrund war, dass diese Weiden als Auslauf dienen sollten und man vermeiden wollte, dass die Pferde unkontrolliert Gras aufnehmen, aber trotzdem genügend Bewegung bekommen. Diese Form der Weidehaltung stellt sicher ein anderes Extrem dar. Bei uns finden wir eher die andere Seite. Standweiden und Umtriebsweiden sind noch die Regel.

Ein großes Problem in der Weidefütterung sind die vielen Kompromisse, die eingegangen werden. Eigentlich sollte man annehmen, dass die gesündeste und beste Haltung der Pferde die Weidehaltung ist, da sie am ehesten der Natur der Pferde entspricht. Wir stellen aber fest, dass gerade während der Weidezeit viele Probleme auftauchen. Hufrehe, Sommerekzeme, Durchfälle oder Koliken sind jährlich wiederkehrende Erkrankungen unter der ein scheinbar immer größer werdender Teil unserer Pferde zu leiden hat.

Häufig werden gerade unsere sogenannten Robustpferde auf Standweiden oder Umtriebsweiden gehalten. Diese Pferde neigen sowieso schon häufig zu Übergewicht. Gerade Robustpferde sind aber prädestiniert für Erkrankungen wie Hufrehe oder Sommerekzeme.

Eine zu hohe Energieaufnahme führt im laufe des Sommers zu Übergewicht. Ein 500 kg Pferd kann je Tag mehr als 60 kg Gras aufnehmen. Diese Menge entsprechen ca. 85 MJ. Der Bedarf bei geringfügiger Arbeit beträgt jedoch nur ca. 67 MJ umsetzbare Energie. Somit ergibt sich je Tag ein Überhang von 17 MJ. Das entspricht umgerechnet ca. 1,5kg Hafer zuviel am Tag. Rechnet man nur mal die aufwuchsstärksten Monate von Mai bis August, kommen 120 Tage mit einer deutlichen Überversorgung zusammen. So kommen im laufe des Sommers ca. 2000 MJ an Überschuss zusammen. Unter diesen Voraussetzungen kann ein 500 kg schweres Pferd im ganzen Sommer 50 kg bis 60 kg an Gewicht zulegen.

Maßnahmen um die Situation zu verbessern:
Umwandlung der Weiden in Portionsweiden mit täglicher Zuteilung. Hierbei kann es manchmal dazu führen, dass die Pferde die Grasnarbe zu kurz fressen und dann zuviel Sand mit aufnehmen. In dem Fall sollte man etwas rohfaserreiches Heu zufüttern um die Pferde davon abzuhalten. Es ist auch darauf zu achten, dass man den Pferden den Auslauf nicht zu sehr begrenzt. Vielleicht einen Teil der Weide vorher abmähen.

Bei Weiden am Stall kann man die Pferde nur nachts auf die Weide lassen. Dadurch kann die Energieaufnahme auf der Weide deutlich abgesenkt werden. Tagsüber kann man nach Bedarf Heu zufüttern.

Die Anwendung eines Maulkorbs um die Futteraufnahme auf der Weide zu begrenzen.
Es gibt allerdings immer wieder einige ausgefuchste Pferde, die in der Lage sind die Maulkörbe an Bäumen oder am Unterstand abzustreifen.

(Text: Wilhelm Otten)


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